Die Deutschen kommen! – Ein Stück in zwei Akten

Installation mit Foto- und Textserien, Videos
Deutschland / Österreich

English

 

 

 

Trailer (4,15 Min.)

 

Kurzbeschreibung des Projektes

Aufbauend auf einer intensiven Recherche zur Saisonarbeit und dem Tourismus von Deutschen in Österreichs Alpen habe ich mich in eigener Person sowohl in Deutschland, als auch im Tourismusort Kitzbühel als Kellnerin und als Schitouristin mit den gegenläufigen Bedingungen beschäftigt. Daraus sind zum einen Foto- und Textgeschichten entstanden, die einen Blick hinter die Kulissen wagen. Videos der Reiserouten, Berlin – Kitzbühel (Saisonarbeit) und Köln – Kitzbühel (Tourismus) greifen das Phänomen der Parallelität der beiden „Gruppen“ auf. Es  ergeben sich Gegenüberstellungen und Zusammenhänge, die dem Betrachter als Erfahrungsbericht, einer „assoziativen Inszenierung dokumentarischen Materials“, bereitgestellt werden.

 

 

 

Die Situation der Gastarbeiter und deren Frühstück einerseits und das Hotelzimmer mit Frühstück der Touristen andererseits...

 

 

Konzept des Projektes

Die Installation, „Die Deutschen kommen! – Ein Stück in zwei Akten“, bezieht sich auf ein aktuelles Thema: die zunehmende Zahl deutscher GastarbeiterInnen in Österreich. Konkret: auf die deutschen SaisonarbeiterInnen in der österreichischen Tourismus-Branche.

Diese Entwicklung ist meines Erachtens aus mehreren Gründen interessant.
Deutschland hat einst im Zuge der Vollbeschäftigung während des Wirtschaftswunders in den 1960er Jahren Arbeitskräfte aus Italien und später aus der Türkei angeworben. 1964 wurde der 1.000.000. Gastarbeiter feierlich in Deutschland empfangen und mit einem Motorrad beschenkt. Heute ist ein Teil der Arbeitslosen in Deutschland aufgrund der ökonomischen Situation und mangelnder Perspektiven jedoch selbst zu GastarbeiterInnenn geworden. Sie arbeiten bereits in Spanien, Italien, der Schweiz oder Österreich.   Es hat also eine Umkehrung stattgefunden deren gesellschaftspolitischen und Identität stiftenden Folgen noch abzuwarten bleiben.

Der eigentlich interessante Aspekt für die vorliegende Diplomarbeit schließt eine zweite Komponente ein, sozusagen den zweiten Akt des Stückes, den Tourist. Für die österreichische Alpen-Region bedeutet dies rund 50% deutsche TouristInnen. Bisher beschreiben Theorien zu Tourismusforschung und Migrationsbewegungen eher gegenläufige Ströme von Gastarbeit und Tourismus, wie es am Beispiel Deutschland – Italien in den 50er Jahren zu erkennen war. Im vorliegenden Fall (Deutschland – Deutschland – Österreich) verläuft der Strom von TouristInnen und SaisonarbeiterInnen jedoch parallel. Ein Umstand der in dieser Form noch nicht genauer untersucht wurde und möglicherweise ein neues Phänomen darstellt.

Überlegungen und Umsetzung des Projektes

Der zentrale Punkt meiner Arbeit liegt nun genau an dieser Schnittstelle. Eine steigende Zahl deutscher (mehrheitlich ost-deutscher) SaisonarbeiterInnen trifft auf eine hohe Zahl deutscher (größtenteils west-deutscher) TouristInnen inmitten der österreichischen Alpen.

In meiner künstlerischen Umsetzung versuche ich beide Perspektiven einzufangen und gegenüberzustellen. Zum einen nehme ich die Stelle einer Saisonkraft in Kitzbühel (Tirol) an. Im Anschluss bereise ich den Ort als Touristin. Beide Akte, quasi Performances auf einer Bühne, ergeben zwei völlig verschiedene Erlebnisräume und Wahrnehmungen. Die Erfahrungen und Eindrücke dokumentiere ich anhand von Fotografien, Tagebucheinträgen, Videoaufnahmen und verstecktem Mikrofon. Die beiden Erlebnisgeschichten werden als Foto-Textserien ausgearbeitet, die Videos der beiden Reiserouten werden mit Soundcollagen der Mikrofonaufnahmen kombiniert. In einer Installation ergeben sich Gegenüberstellungen, Vergleiche oder Zusammenhänge, die dem Betrachter als Erfahrungsbericht bereitgestellt werden.

 

Lambda - Prints auf Aluminium, 35 Stück, à 16,5 cm x 23 cm
Text – Serie, Bleistift auf Wand

2 Videos, je 15 min.

 

Ansicht Aufbau im KunstRaum Goethestrasse, Linz